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Chalandamarz

Die Ursprünge des Chalandamarz gehen zurück bis in heidnische Zeiten, nämlich zu den Römern. Diese hatten den Monat März ihrem Kriegs- und Sonnengott Mars gewidmet. Gemäss dem Julianischen Kalender war im März Jahresbeginn, und zu dem Zeitpunkt beginnt – wenigstens in wärmeren Gebieten – auch der Frühling. Dieses Ereignis zelebrierten die Römer mit prunkvollen Festen, bei denen Mars um gutes Gedeihen von Feldern, Wiesen und Vieh angefleht wurde. Bekanntlich kamen die Römer auch in unsere Regionen und liessen hier Spuren ihrer Bräuche zurück. Beim Chalandamarz wird mit lautem Schellengeläute und Peitschenknallen der Winter samt seinen unsichtbaren Geistern vertrieben und die Fruchtbarkeit geweckt.

Der Chalandamarz symbolisiert einen Alpaufzug. Als Samedan noch kleiner war, genügte eine Herde, um von Haus zu Haus zu ziehen. Heute haben wir deren zwei und damit auch zwei Sennen und zwei Kassiere.

Der Älteste ist der erste Senn, der Zweitälteste der erste Kassier und der Drittälteste der Patrun. Danach folgen der zweite Senn, der zweite Kassier, sechs Pferde und pro Herde acht Hirten.

Alle andern tragen eine Glocke, sie sind die Kühe. Senn, Kassier, Patrun und Pferde können nur Schüler werden, die ihre ganze Schulzeit an der Gemeindeschule verbracht haben. Die Gymnasiasten sind Hirten.

Die Mädchen machen ihre grosse Arbeit vor dem Chalandamarz. Stundenlang drehen sie Rosen aus Seidenpapier, die am Umzug Hüte, Mützen, Glocken und den Pferdeschlitten schmücken.

Die Mädchen der neunten Klassen bereiten für ihre Klassenkameraden das Frühstück und das Mittagessen zu.

„ ... e scha nu’ns dais ünguotta, schi’l luf as sbluotta.” („ ... und wenn ihr uns nichts gebt, dann soll euch der Wolf kahlfressen.”), heissts im Chalandamarzlied. Aber alle geben etwas. Die gespendeten Esswaren werden im Pferdeschlitten zur Schule gebracht, die Kassiere sammeln das Geld. Nach dem letzten Lied auf dem Dorfplatz, so um 16.15 Uhr, will jeder so schnell wie möglich zur Schule gelangen, wo die Glocken mit den gesammelten Esswaren gefüllt werden. Je grösser die Glocke, desto mehr hat Platz. Das erhaltene Geld wird für Schulreisen gebraucht.

Der Chalandamarzball findet immer am Samstag nach dem Umzug statt, der „ballin” des Kindergartens eine Woche früher.

Am Ball wird vor allem zu traditioneller Musik getanz. Die ungeraden Klassen bereiten eine theatralische und/oder musikalische Darbietung vor. Der Höhepunkt des Abends ist die Polonaise, die bis zu einer Dreiviertelstunde dauern kann, gefolgt von den Chalandamarzliedern aus den Kehlen aller Schülerinnen und Schüler.

Die Mädchen der Abschlussklassen tragen die Engadiner Festtagstracht. Die Älteste tanzt die Polonaise mit dem ersten Senn, die Zweitälteste mit dem ersten Kassier und so weiter. In jeder Klasse fragen die Knaben ein Mädchen, ob es für ihn die Rosen machen wolle. Dieses Mädchen ist dann die „marusa da Chalandamarz”, das Chalandamarzschätzchen, mit dem die Polonaise getanzt wird. Nach dem Ball – ebenso wie nach dem Umzug – gehen die Kinder nach Hause, die meisten todmüde. Für die Ältesten beginnt nach dem Ball allerdings noch ein eigenes Fest. Sicher ein verdientes nach neun Jahren Chalandamarz.

Eindrücke